NIUTEX 2010

1. INTERNATIONALES SYMPOSIUM ZUR NATURFASER-NUTZUNG IN DER SCHWEIZ

Illustration

Hintergrund

Da neben der Bevölkerungszahl auch der Pro-Kopf-Verbrauch an textilen Rohstoffen weiter zunehmen wird, ist davon auszugehen, dass sich der Baumwollbedarf bis 2050 insgesamt verdoppeln und damit zu einem «Versorgungsproblem» führen wird.

BAUMWOLLE – DAS PROBLEM

Weltweit werden heute jährlich knapp 75 Mio. Tonnen textile Rohstoffe verarbeitet; 45% davon sind Naturfasern (Baumwolle, Seide, Wolle etc.) und 55% Chemiefasern (zellulosische und synthetische Fasern). Der weltweite Faser-Verbrauch pro Kopf beträgt heute durchschnittlich 10,84kg. Bei derselben prozentualen Verteilung der textilen Rohstoffe wie heute, liegt der Bedarf an Baumwolle im Jahre 2050 rund 40% höher als heute.

Obwohl ein qualitativ hochwertiger und multifunktional einsetzbarer Rohstoff, ist die Nutzung der Baumwolle als Ressource beschränkt und eigentlich auch höchst unwirtschaftlich. Ihr Anbau ist klimabedingt auf bestimmte Gebiete beschränkt (Baumwollgürtel zwischen 36°S und 47°N). Die für den Anbau geeigneten Flächen sind kaum noch auszudehnen, um den kontinuierlich steigenden Bedarf decken zu können.

Der heute intensive Baumwollanbau belastet die Umwelt, verursacht hohe Kosten und lange Transportwege. Auf Baumwolle entfallen rund 25% des weltweiten Insektizid-Verbrauchs. Daher gilt ihr Anbau unter Umweltschutzaspekten als sehr bedenklich. Auch der Wasserverbrauch ist vor allem in regenarmen Gebieten sehr intensiv. Und bis der Rohstoff schliesslich in den textilverarbeitenden Web- oder Spinnereimaschinen weiter verarbeitet werden kann, hat er oft tausende von Flugzeug- oder Schiffs-Kilometern hinter sich. Hinzu kommt, dass sich die Preisentwicklung von Rohstoffen sowie Primärenergien weiter drastisch verändern und sich entsprechend auch auf die Produktions- und Produktekosten auswirken werden.

«CRADLE TO CRADLE» – DIE LÖSUNG?

«Die Natur produziert seit Jahrmillionen völlig effektiv. Ein Kirschbaum bringt tausende von Blüten und Früchten hervor, ohne die Umwelt zu belasten. Im Gegenteil: Sobald sie zu Boden fallen, werden sie zu Nährstoffen für Tiere, Pflanzen und Boden in der Umgebung.»

Das Konzept Cradle to Cradle® (Von der Wiege zur Wiege) definiert und entwickelt kreislauffähige Produkte. Die Produkte zeichnen sich durch ihre Wirtschaftlichkeit, geringe oder keine Umweltbelastung und hohe Verbraucherfreundlichkeit aus. Sie implizieren einen Paradigmenwechsel der industriellen Prozesse und Produkte. Nicht nur Form, Funktionalität und Inhaltsstoffe werden durch das innovative Design neu definiert. Cradle to Cradle®-Produkte erreichen auch eine neue Dimension von Qualität und Sicherheit in endlosen Kreisläufen.

Das vom deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough entwickelte Design-Konzept Cradle to Cradle® ist durch die Natur inspiriert, in der es keine Probleme mit «Abfall» gibt, in der vielmehr «Abfall» gleichbedeutend ist mit «Nahrung». Demgegenüber steht die Ökoeffizienz, die sich seit Anfang der 1990er-Jahre in der Industrie zunehmend etabliert hat: Mit weniger Ressourceneinsatz sollen höhere Ergebnisse erreicht und durch die Verminderung von Schadstoffen die Umweltauswirkungen reduziert werden. Mit fortschreitender Zeit zeigt sich jedoch, dass Ökoeffizienz den Prozess der Umweltbelastung und Rohstoffverknappung verlangsamt, nicht aber stoppen kann.

Mit dem Cradle to Cradle®-Konzept, das die Ökoeffektivität propagiert, haben die vielfach ausgezeichneten ökologischen Vordenker Leitlinien entwickelt, an denen sich bereits heute viele bekannte Unternehmen orientieren und erfolgreich wirtschaften.

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